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Von Erzurum nach Batumi – eine lange, grenzüberschreitende und ereignisreiche Fahrt

Türkei: Batumi - Erzurum Beitragsbild
Start in Erzurum

Erzurum ist eine Großstadt im Nordosten der Türkei mit über 750.000 Einwohnern auf einer Höhe von rund 1950m über dem Meeresspiegel. Wegen dieser hohen Lage ist es dort vergleichsweise kühl und in den umliegenden Bergen kann man im Winter Ski fahren.

Wir sind primär nach Erzurum gefahren, um unser Iran-Visum zu besorgen. Nach 2 Tagen haben wir alles in trockenen Tüchern und werden nach 2,5 Monaten in der Türkei dieses wunderbare Land verlassen.

Wir sind sehr positiv überrascht über die schöne Landschaft, die sich uns während der Fahrt bietet. Ein Großteil der Strecke führt entlang eines schönen Canyons, teilweise wurde der Fluss Çoruh bereits kilometerlang aufgestaut. Die Ausblicke sind wunderbar und der Canyon ist beeindruckend. Teilweise ist der Canyon gerade so breit, dass eine Straße mit einer Fahrspur je Richtung hinein passt – deshalb wurde hier wohl auch nicht die sonst in der Türkei allgegenwärtige vierspurige Schnellstraße gebaut. Zum Glück ist die Straße (wie fast alle in der Türkei) in einem sehr guten Zustand und größtenteils nigelnagelneu.

Plötzlich jedoch staut es sich – ein im Bau befindlicher Tunnel ist nur einspurig befahrbar. Unsere Seite ist vorerst gesperrt bis die Gegenseite durch ist. Kurz wähnten wir uns genervt: Stau? Das kennen wir zuletzt aus Deutschland, wo dann alle ungeduldig warten bis es endlich weiter geht. In der Türkei hat man wohl eine andere Einstellung zu plötzlicher, ungeplanter freier Zeit: hinter uns hält ein Kleinbus voller Hotelangestellter, die einen Wochenendausflug nach Trabzon machen. Denen scheint die Pause nichts auszumachen. Im Gegenteil: alle steigen aus, die Musik wird aufgedreht und alle fangen an zu tanzen. Ganz selbstverständlich laden Sie die Ausländer vor sich im Auto (uns) ein mitzumachen. So vergehen die 20 Minuten Wartezeit wie im Flug!

Türkei: von Erzurum nach Batumi
Türkei: von Erzurum nach Batumi

 

Die Grenze nach Georgien

Wir haben unsere Route über eine sehr kleine Grenze südlich von der großen Grenze am schwarzen Meer geplant. Leider erfahren wir auf der Strecke beim Tanken, dass diese nicht befahrbar ist. Wir müssen über die Grenze am schwarzen Meer fahren. Das bedeutet nicht nur einen Umweg sondern auch Wartezeit – wir wurden bereits vorgewarnt.

Bang erreichen wir die Grenze. Als wir vorbei an den LKW’s quasi schon davor stehen freuen wir uns. Doch der Polizist zeigt nach links in die Gegenrichtung anstatt nach rechts zur Grenze. Wir denken uns nichts dabei. Doch nachdem wir das Schlangenende nach 2km stehenden Autos erreicht haben sind wir doch etwas niedergeschlagen – aber Moment, was haben uns die 2,5 Monate in der Türkei gelehrt? Richtig, man muss mit guter Laune und positiv gestimmt an die Wartezeit rangehen. Da uns deutschen der Rhythmus nicht so ins Blut gelegt wurde wie den Türken, adaptieren wir deren positive Grundstimmung auf unser deutsches Gemüt. In den gut 4 Stunden Wartezeit haben wir einiges geschafft: Tomatensalat gemacht und gegessen, abgewaschen, Fridolin ist rasiert und mit den Reisetagebüchern sind wir auch weiter. Außerdem gab es leckeren Kuchen vom Iraner vor uns im Gegenzug für heißes Teewasser. Vor einem halben Jahr wären wir vermutlich leicht genervt am Steuer gesessen und hätten Optimierungsvorschläge eruiert, wie man die Wartezeit an dieser Grenze reduzieren kann – uns gefällt unser neuer Wartestil besser.

Erst vorne an der Grenze teilt man uns mit, dass ich zu Fuß über die Grenze muss und nicht im Auto bleiben kann. Leider ist die Grenze nicht nur von Fahrzeugen sondern auch von Fußgängern (Mitfahrern und Businsassen) extrem frequentiert. Ich muss mich ganz hinten anstellen – schon wieder! Leider erwische ich im „1-2-oder 3 und ob du richtig stehst…“-Spiel die falsche Linie und warte ewig. Trotzdem kommen Fridolin und ich fast zeitgleich in Georgien an. Mittlerweile ist es Nacht.

 

Übernachtung im Botanischen Garten

Einen Stehplatz haben wir uns vorher schon gesucht: den Botanischen Garten von Batumi. Hier soll man für kleines Geld mittendrin stehen dürfen. Zwar sind die Tore schon geschlossen, doch der Nachtwächter ist noch wach. Er begrüßt uns mit „Heil Hitler“ (das einzige was er wohl auf Deutsch sagen kann) und lässt uns freundlicherweise noch rein.

Am nächsten Morgen staunen wir nicht schlecht: wir stehen mitten im Park, unter einer Palme zwischen schönen Blumen. Der Platz ist super, aber leider weit von Batumi entfernt. Daher erkunden wir erst einmal den Botanischen Garten.

Von Erzurum nach Batumi - eine lange, grenzüberschreitende und ereignisreiche Fahrt
Georgien: Botanischer Garten Batumi

 

Batumi erkunden – eine neue Kultur erleben

Am Eingang auf der anderen Seite kann man mit einer Maschrutka (den berüchtigten georgischen Kleinbussen – hier ein Erfahrungsbericht von Julian von Bike2Climb) für kleines Geld in die Innenstadt fahren.

Nachdem wir die letzten Wochen im Osten der Türkei verbracht haben sind wir völlig baff von der völlig anderen Kultur: freizügige Kleidung wo man nur hinschaut, Supermärkte werden von Alkohol dominiert und anders als in der Türkei sind die Menschen distanzierter. Der Kulturschock überrollt uns. Nachdem wir im Osten der Türkei schon länger keinen Alkohol mehr gesehen haben, wollen wir uns eine große Flasche Bier kaufen. Dass die „Standardbierflasche“ in Georgien üblicherweise 2l beinhaltet haben wir nicht gewusst…

Batumi ist eine große moderne Stadt mit einer weitläufigen Promenade und Steinstrand.  Sogar ein Riesenrad im Hochhaus gibt es hier. So wohl wir uns auch in der Türkei gefühlt haben – hier haben wir wieder etwas mehr Freiheiten und freuen uns darauf ein neues Land kennen zu lernen, das landschaftlich und gesellschaftlich ganz anders sein wird.

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