Aserbaidschan

Aserbaidschan – bizarr und doch ganz normal

Aserbaidschan: Beitragsbild Teil I

Russen-Bar in Ganja // Nationalpark Göygöl // Seki

Ein ungewöhnlicher erster Abend in Aserbaidschan

Nach unserer Einreise in Aserbaidschan und dem ersten Kontakt zu einem korrupten Polizisten haben wir den ersten Zwischenstopp in Ganja eingelegt. In einem Guest House haben wir uns für eine Nacht einquartiert und gleich ein paar interessante Menschen getroffen. Ein aserbaidschanischer, radelnder Weltenbummler ist von seiner Weltreise zurückgekehrt. Hier trifft er ein paar alte Freunde und alle zusammen gehen wir in die Stadt etwas essen und trinken.

Gleich am ersten Abend fahren wir (zum ersten Mal) in einem Diplomatenfahrzeug mit und landen in einer Russen-Bar – aber war für einer! An der Eingangstür (Kellertür) wird geklopft und es muss ein (allseits bekanntest) Codewort genannt werden. Dann wurden wir von einem kleinen stämmigen Mann in Uniform und mit dickem (hoffentlich unechtem) Maschinengewehr eingelassen. Wir haben nicht schlecht gestaunt wo wir gelandet sind… die Räume sind voller Andenken an den Zweiten Weltkrieg, im Fernsehen laufen Kriegsszenen und die Mitarbeiter sind allesamt in Uniformen gekleidet. Ganz schön abgefahren! Wir sind in einer russischen, kriegsverherrlichenden Bar gelandet. Unser erster Abend in Aserbaidschan wird immer skurriler.

Aserbaidschan: Russen-Bar
Bizarre Russen-Bar

Doch das Beisammensein mit unseren neuen Bekanntschaften und das Abendessen sind unterhaltsam. Wir tauchen langsam ein in die aserbaidschanischen Gepflogenheiten und erleben aserbaidschanische Gastfreundschaft. Der Vodka wird ausgewählt wie Wein in Frankreich: zunächst wird die Flasche inspiziert, anschließend geöffnet und verkostet, bevor alle eingegossen bekommen. Auch auf die rührenden Trinksprüche wird großen Wert gelegt. Doch die Atmosphäre ist und bleibt gruselig. Gegen Ende des Abends posieren die aserbaidschanischen Herren noch makaber mit den Gewehren der uniformierten Kellner – so richtig spaßig finden wir das dann doch nicht.

Was für ein bizarrer erster Abend in Aserbaidschan!

 

Intensiver Schutz von Mensch (und Natur) im Nationalpark Göygöl

Auf Empfehlung der Gastfamilie in Ganja haben wir den Göygöl Nationalpark als Zwischenziel ausgewählt. Nicht weit von Ganja entfernt fahren wir südlich in die Berge und nähern uns dem kleinen Kaukasus. Entlang der Straße reihen sich Teehäuser aneinander – jedoch sind alle leer und teilweise geschlossen. Die Saison scheint beendet zu sein. Auf unserem Weg haben wir schöne Aussichten auf die Berge und bald erreichen wir den Beginn des Nationalparks. Leider können wir nicht über Nacht im Park bleiben (auch wenn es drinnen sogar Hotels gibt) und es ist bereits spät am Tag. Leider bieten sich auch keine Camping-Möglichkeiten in der Umgebung. Wir dürfen direkt vor dem Eingang stehen bleiben, bewacht durch den Militärposten. Denn der Zugang zum Park wird nicht einfach durch irgendwen kontrolliert, sondern durch das Militär, das hier in der Grenzregion zu Armenien stark präsent ist.

Nach einer super sicheren Nacht fahren wir am nächsten Tag in den Park. Die herbstlichen Wälder leuchten bunt und hin und wieder durchziehen grüne Tarnfarben den Wald, denn auch im Nationalpark sind mehrere Militärgelände zu finden. Auf dem großen Parkplatz sind wir allein, auf den breiten Besucherwegen kommen wir uns verloren vor. Natürlich gibt es einen Souvenirshop und ein Café. Die Gebäude sind herrschaftlich gebaut, aus massivem hellem Stein und eine Busflotte steht Touristen zur Verfügung um sie auf dem Gelände umher zu fahren. Doch die Toiletten wurden schon lange nicht geputzt, die Busse werden nicht gefahren und die Fahrstühle sind außer Betrieb.

Aserbaidschan: Göygöl See im gleichnamigen Nationalpark
Göygöl See im gleichnamigen Nationalpark

Wir haben Glück denn wenigstens das erste Café mit Blick auf den Göygöl, den See nach dem der Nationalpark benannt ist, hat geöffnet. Wir bestellen unseren ersten aserbaidschanischen Tee. Dieser wird zusammen mit Bonbons und Kirschmarmelade serviert. Sehr lecker – und sehr teuer. 10€ zahlen wir für das Vergnügen. Wie wir später noch herausfinden: absoluter Wucher. Trotz der Totenstille auf dem verlassenen Gelände spazieren wir etwas umher. Immerhin gibt es eine riesige Besucher-Infrastruktur und wir haben von einem kleineren, abgelegenen See gehört. Doch die Wege sind begrenzt, nur ein einziger führt aus dem zusätzlich gesicherten See-Gebiet heraus. Wir folgen der Straße und begegnen ein paar Wildpferden. Auch ein paar schöne Ausblicke auf den See eröffnen sich uns.

Auf dem Rückweg durchqueren  wir wieder die skurrile Anlage. Der See und die Häuser sind weitläufig mit einem zusätzlichen Sicherheitszaun gesichert. Uns wurde erzählt auch der Präsident Aserbaidschans mag diesen Ort sehr und hat hier ein Anwesen. Vermutlich sind die enormen Sicherheitsvorkehrungen für seine Besuche getroffen.

 

Mit dem Bus durch Seki

Vom Göygöl Nationalpark aus fahren wir in Richtung Seki. An einem Tag schaffen wir die Tour nicht. Auf halber Strecke finden wir ein Motel, vor dem wir kostenfrei stehen können und sogar ein Bad nutzen.

In Seki haben wir uns eine Unterkunft gebucht. Wir möchten mal wieder alle 5 gerade sein lassen und uns etwas ausruhen. Außerdem haben wir bisher keine Informationen und Erfahrungen wie und wo man im Land frei stehen kann. Wir finden eine tolle Unterkunft bei einem Paar. Der Mann spricht sogar etwas deutsch, da er einige Monate in Deutschland war. Hilfsbereit wie Aserbaidschaner eben sind unterstützt er uns auch bei der Registrierung im Land, im Registration Office von Seki.

Aserbaidschan: Sommerpalast des Khan von Seki
Sommerpalast des Khan von Seki

In Seki schauen wir uns den Khanspalast an. Ein von außen und innen wirklich schön dekoriertes, jedoch nicht allzu großes zweistöckiges Haus. Ehemals Sommerresidenz des Khans von Seki. Auch die Karavanserei sehen wir uns kurz an, jedoch gibt es hier nicht mehr allzu viel zu sehen.

Das eigentliche Erlebnis in dieser Stadt sind jedoch die Busfahrten. Regelmäßig verkehren die kleinen Linienbusse durch die Stadt. Sie sind alle uralt und hören sich auch so an. Die Gangschaltungen scheinen zu knirschen und überfüllt sind sie auch noch. Da allesamt Minibusse sind, kann man darin nur geduckt stehen und wir sind überglücklich jedes Mal einen der wenigen Sitzplätze zu ergattern. Wer keinen Sitzplatz bekommt muss die rasante Fahrt über halb geduckt und gekrümmt stehen. Am allerbesten ist der Preis. Jede Fahrt kostet nur wenige Cent.

Aserbaidschan: Karavanserei in Seki
Karavanserei in Seki