Iran

“Verwüstet” – von Isfahan, aufgeschlossenen Iranern, der Wüste und Karawanen

Iran: Isfahan und verwüstet Beitragsbild

City Center Isfahan // Tag 1 in Isfahan: Meydan-e Emam // Tag 2 in Isfahan: „May I talk to you a little bit“// Balu hat die Wüste erreicht! //Schwarzes Lawagestein – ein Schlafplatz im einsamem Krater // Ein Carawan in der Karawanserei

 

Mit 500km haben wir und Balu eine der längsten Tagesetappen unserer Reise hingelegt, um Isfahan zu erreichen. Wir kommen spät abends an und finden einen Stellplatz bei Achmad – einem von Falten bedeckten aber liebenswürdigen altem Mann, der kein Wort Englisch versteht. Achmad führt einen Parkplatz (Koordinaten: 32.65024, 51.6405), auf dem vor allem Nutzfahrzeuge Platz finden. Dennoch ist dies ein guter Ausgangspunkt für den Besuch von Isfahan.

 

Aber ins „City Center“ möchten wir nicht!

„Isfahan ist die Hälfte der Welt“ lautet ein persisches Sprichwort. Das möchten wir mit eigenen Augen sehen! An der Bushaltestelle fragen wir ein Mädchen nach dem Weg ins City Center. Doch sie meinte mit dem Bus ist das viel zu kompliziert. Eigentlich sind wir nicht weit weg, so schwer kann es nicht sein, doch wieso sollten wir einer ortskundigen und hilfsbereiten Dame misstrauen? Sie ist so freundlich und ruft uns ein Snapp-Taxi. Das fährt uns immer weiter Stadtauswärts. Doch da wir am Straßenrand die Schilder „City Center“ sehen vertrauen wir dem ortskundigen Fahrer. Je weiter wir uns von der Stadt entfernen umso misstrauischer werden wir und plötzlich sehen wir sie: die riesige Mall, auf der in riesigen Buchstaben „City Center Isfahan“ steht. Was für ein Pech! Wir klären das Missverständnis auf und kommen schließlich doch noch in die Innenstadt.

 

Meidan-e Emam ist die Hälfte der Stadt

1598 war Isfahan unter den Safawiden Hauptstadt und ihr wurde anhand wunderschöner Gärten und Prachtbauten zum Glanz verholfen. Nach unserer konfusen Taxi-Fahrt sehen wir gleich das erste Highlight vor uns: die Brücke Si-e-seh Pol mit ihren 33 Bögen. Wunderschön und doch traurig anzusehen: denn Wasser fließt hier scheinbar schon lange keines mehr. Isfahan ist nun mal eine Stadt in der Wüste und dazu kommt die Wasserknappheit aufgrund fehlender Niederschläge. Die eindrucksvolle Brücke steht zumindest zu dieser Jahreszeit auf dem Trockenen.

Durchblick bei der Brücke Si-e-seh Pol
Durchblick bei der Brücke Si-e-seh Pol

Quer durch die Stadt finden wir zunächst eine Wechselstube. Hier kann man sogar per Kreditkarte oder Paypal Geld vom Konto bekommen – was im Iran eine absolute Seltenheit ist (und auch dementsprechend teuer). Nun sind wir mit ausreichend Kleingeld ausgerüstet um die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu erkunden. Nach einem guten Kaffee und ausgiebigen Gesprächen mit einem weiteren Reisenden und kontaktfreudigen Iranern  schlendern wir auf den Meidan-e Emam (Platz des Imam).

Der beeindruckende Meidan-e Emam
Nur eine der Arkaden und Moscheen auf dem Meidan-e Emam

Dieser ist ganze 500m lang und wird ringsum von Arkaden eingefasst. An den Seiten liegen außerdem ein Palast, zwei Moscheen sowie das Eingangstor zum großen Basar. Wir trödeln kurz über den Basar und genießen den Abend auf dem Platz, umringt von fotoenthusiastischen Iranern und dem Wasserspiel des großen Spingbrunnes mitten auf dem Platz. Da wir unsere Zeit jedoch mit einer unfreiwilligen Stadtrundfahrt sowie dem langen Kaffeeklatsch vertrödelt haben bleibt uns nur noch Rückfahrt mit einem günstigen Snapp-Taxi zum Bus.

 

„May I talk to you a little bit“

Tag 2 in Isfahan gehen wir motiviert an. Statt einem Taxi nehmen wir den Bus ins „Stadtzentrum“. Doch kaum ausgestiegen werden wir angesprochen: „Hello! May I talk to you a little bit“? Hossein ist ein junger, freundlicher Iraner der so wie unglaublich viele andere Iraner Kontakt zu Touristen sucht. Einfach um seine Sprachkenntnisse in Englisch zu verbessern, ein bisschen zu quatschen und mehr über andere Länder und Kulturen zu erfahren. Eigentlich wollte Hussein Schuhe kaufen, doch wir kommen ins Gespräch und er begleitet uns auf dem Meidan-e Emam. Wir genießen in der Sonne ein kleines Frühstück, von dem er es sich nicht hat ausreden lassen es zu bezahlen. Anschließend möchte er uns ein wenig seiner schönen Stadt zeigen. Wir gehen gemeinsam das handwerkliche Geschick der Iraner besichtigen: besuchen den Tischdeckendrucker und sehen, wie ein Handwerker mit geschickten Händen die kunstvolle Dekoration in Messing-Teller klopft.

Ein Teppichstempler bei der Arbeit
Ein Teppichstempler bei der Arbeit

Hussein besorgt uns eine Packung der stadtbekannten Süßigkeit Gaz, die wir in einem Park genießen. Auch den schmuckverzierten Chehel Sotun Palast mit den zwanzig haushohen Zypressenholzsäulen auf der Veranda und zahlreichen sehenswerten Fresken im Innenbereich besichtigen wir gemeinsam. Nach einigen unterhaltsamen gemeinsamen Stunden trennen sich unsere Wege wieder. Wir erkunden weiter die Stadt, schlendern erneut über den Basar, der aus einem unendlich scheinenden Netz aus übermauerten Wegen, Kreuzungen und Plätzen zu bestehen scheint. Kaum finden wir einen Ausgang, stehen wir wieder auf einem großen schönen Platz, gesäumt von Arkaden und einer Moschee, nur um gleich wieder in die Tiefen eines Basares einzutauchen.

Auf dem Kupferbasar
Auf dem Kupferbasar

Nach ca. 2 km erreichen wir in der Dämmerung die Jame-Moschee (Freitagsmoschee). Da dies die erste Moschee ist, die wir im Iran besichtigen, wenn auch nur den Innenhof, sind wir tief beeindruckt von der kunstvollen Verzierung, den wunderschönen Trompen-Dekorationen und der Gestaltung dieser Moschee. Doch es ist Zeit für das Freitagsgebet und in eine volle Moschee trauen wir uns noch nicht.

Kunstvolles Handwerk live und in Farbe
Kunstvolles Handwerk live und in Farbe

 

Balu hat die Wüste erreicht!

Nach 2 Tagen haben wir genug von der Stadt, den Selfies und dem Trubel. Wir machen uns auf den Weg Richtung Yazd. Auf dem Weg dahin gibt es einiges zu entdecken. Zunächst fahren wir an die Sanddünen bei Vardzeneh. Was für ein geiles Gefühl: nach tausenden Kilometern Fahrt von Deutschland, durch die Hitze und Kälte, durch so viele Länder – und nun stehen wir in der iranischen Wüste, mit Balu vor einer hohen Sanddüne! Unsere Freunde ist ungebrochen. (Koordinaten: 32.120093, 52.68515)

Zwischenziel Wüste: Check!

 

Balu in der Wüste
Balu in der Wüste

Beim Kaffee schenkt uns ein vorbeikommendes Auto noch eine große Tüte Sonnenblumenkerne, der Nachmittagssnack ist gesichert. Nach einem gemütlichen Kaffee und ein paar Selfies mit anderen Wüstenbegeisterten heißt es: Schuhe aus und ab auf die Düne! Nur ist mittlerweile ein mittelstarker Sandsturm aufgezogen. Im wehenden Sand kämpfen wir uns die Düne hoch und genießen den atemberaubenden Ausblick. Hinter dieser Düne liegt sooooo viel Sand und noch viel mehr Dünen. Auf dem höchsten Punkt angekommen kommt der spaßigste Teil: die Düne wieder runter zu rennen. Unten angekommen spazieren wir noch ein bisschen die Düne entlang.

Dünenspaziergang mit Sandsturm
Dünenspaziergang mit Sandsturm

Eine Gruppe von Jeeps beginnt mit Lagerfeuer – wie praktisch, da müssen wir nicht selber eines machen! Wir laden uns am Feuer ein und kommen mit den Iranern der Hauptstadt Tehran ins Gespräch. Lustigerweise plant eines der Pärchen gerade den eigenen Camperausbau. So besichtigen alle noch kurz Balu’s Innenleben. Auch sind die Tehraner sehr locker im Umgang mit der Kopftuchpflicht. Gleich zu Beginn sagt man mir, das Kopftuch kann ich in der Wüste abnehmen, hier gibt es keine Polizei. Dieses Angebot habe ich im Iran besonders auf privaten Grundstücken und in privaten Häusern sehr häufig bekommen, jedoch nur selten genutzt. Immerhin bin ich Gast dieses Landes und für diese begrenzte Zeit fällt es mir nicht schwer die Regeln zu akzeptieren und Bräuche zu respektieren.

In der Nacht stehen wir allein in der Wüste, alle anderen Wüstenbesucher und Jeeps sind längst gefahren. Nur das Jaulen der Schakale ist geblieben. Was für ein schöner Schlafplatz! Doch von der Einsamkeit der Nacht ist tagsüber nichts mehr übrig. Ganze Busse voller Touristen werden hier angekarrt, deren Insassen die Dünen erklimmen, mit den Zehen im Sand spielen und auf selbstgebauten Untersätzen sandboarden.

 

Schwarzes Lawagestein – ein Schlafplatz im einsamem Krater

Wir fahren nur wenige Kilometer weiter zum Salzsee (Koordinaten: 32.099381, 52.732767). Am Schlagbaum zahlen wir ca. 1,20 € Eintritt p.P., bekommen sogar ein Ticket und können nun auf den weitläufigen Salzstraßen umherkurven. Freie Fahrt voraus! Wir fahren weit in die Mitte des Salzsees, wo auch noch richtig Salz abgebaut wird. Nach einem Frühstück auf dem Salzsee geht es weiter. Übernachten können wir hier nicht.

Balu auf dem Salzsee
Balu auf dem Salzsee

Anstatt die Hauptstraße nach Yazd zu nehmen, wählen wir die Wüstenstraße. Erst am Abend erreichen wir einen Vulkankrater, nur 130km von Isfahan entfernt. Hier möchten wir für die Nacht unser Lager aufschlagen (Koordinaten: 32.2917, 52.91331). Am Ende bleiben wir 2 Nächte. Denn der Platz ist schön abgelegen und ruhig. Auf den Kraterrand kann man locker laufen und die Aussicht genießen, sogar einmal auf dem Halbkreis des noch vorhandenen Kraterrandes in ca. 2,5 Stunden entlangwandern. Die Abgelegenheit gefällt uns und trotz eisiger Nächte genießen wir die Ruhe.

Schwarzes Lawagestein eines großen Kraters durchzieht die endlose Weite der Wüste
Schwarzes Lawagestein eines großen Kraters durchzieht die endlose Weite der Wüste

 

Ein Caravan in der Karawanserei

Der weitere Straßenverlauf führt durch vermeintlich eintönige Salz- und Steinwüste. Doch so eine beeindruckende Weite haben wir selten erlebt. Außer uns ist kaum jemand unterwegs, nur eine handvoll Autos begegnet uns. Nur 30 km hinter dem Krater erreichen wir eine verlassene Karawanserei (Koordinaten: 32.198738, 53.1912). Auch wenn sie verlassen scheint, ist sie doch beliebtes Übernachtungs- und Zwischenziel vieler Overlander. Allein schon wegen des Feelings, der authentischen Rückversetzung in eine andere Zeit lohnt sich der Besuch.

Auf dem Dach der Karawanserei scheint es als könnte man Karawanen mit Kamelen und Reichtümern antrotten sehen, die sich am Brunnen im Hof erfrischen können, ihre Reserven auffüllen und in den Zimmern der Karawanserei Rast machen. OK – ganz so war es natürlich nicht und der Zahn der Zeit hat unverkennbar an dem Gemäuer genagt. Dazu kommt, dass die menschlichen Besucher einer nach dem anderen nicht nur Fußspuren zurücklassen. Doch durch die vielen Räume zu streunen und auf dem Dach zu frühstücken ist ein unvergessliches Erlebnis. Sogar Balu hat sich problemlos in die Szenerie eingefügt und stolz das Eingangstor passiert – ein Caravan in der Karawanserei.

Die restliche Strecke nach Yazd ist ebenso „verwüstet“ wie bereits die erste Hälfte, und doch nicht weniger beeindruckend. Was für eine tolle Gegend!

“Verwüstet” - von Isfahan, aufgeschlossenen Iranern, der Wüste und Karawanen
Balu durchquert die iranische Wüste

 

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