Iran

„Well come“ to Iran

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Inhalt: Quer durch West-Aserbaidschan // Unsere ersten Erfahrungen in dieser fremden Kultur // Hinkelsteinstadt Kandovan // Der Urmia See // Geheimpolizei mit Hemd und Charme // Warme Quelle in eisiger Landschaft // Beeindruckender Kalksinterkrater mit schöner Aussicht // Iranische (Herzens-)Wärme

Zum Titel: die Iraner freuen sich über jeden Ausländer und begrüßen einen stets mit einem herzlichen ‚Welcome to Iran’. Geschrieben sieht es bei den meisten Iranern aber so aus ‚well come to Iran‘. Gefreut haben wir uns über jede einzelne gesprochene, gerufene oder geschriebene Begrüßung!

 

Quer durch West-Aserbaidschan

Nach einer reibungslosen Einreise heißt es erst einmal, sich in diesem neuen Land zurecht zu finden. Zunächst benötigen wir Geld. Nach einer Stadtrundfahrt werden wir zurück zur Grenze geschickt. Eigentlich halten wir es für keine gute Idee direkt an der Grenze zu tauschen. Später stellt sich heraus, dass der Mann, welcher uns auf offener Straße unsere Dollars getauscht hat, uns einen sehr guten und aktuellen Wechselkurs geboten hat.

Iran: weiß gepuderte Landschaft West-Aserbaidschan
Weiß gepuderte Landschaft West-Aserbaidschan

Eigentlich ist es im Dezember zu kalt, aber ganz auslassen möchten wir den Norden nicht. Deshalb fahren wir in Richtung Ardebil, anstatt die Autobahn in Richtung warmem Süden zu nehmen. Wir fahren weit ins iranische Gebirge. Die Landschaft ist wunderschön, die Gipfel sind schneebedeckt und die Ebenen leicht weiß gepudert. Wir finden einen Übernachtungsplatz in einem Recreation Center. Hier sehen wir zum ersten Mal iranische Picknickhäuser. Wir dürfen auf dem leeren Gelände umsonst parken und sogar Strom zum Heizen abzapfen. Aufgrund der Kälte ist außer uns niemand hier. Lediglich eine ganze Schar an Hunden und viel Wild, das im Gehege sein Grünzeug futtert. Am Morgen haben wir einen tollen Blick auf die Berge.

Iran: Wild im Recreation Center
Wild im Recreation Center

 

Unsere ersten Erfahrungen in dieser fremden Kultur

Ardebil ist unsere erste iranische Stadt. Wir lernen den iranischen Stadtverkehr kennen – hier wird viel gehupt und gedrückt. Wer bremst verliert. Wir haben Hunger und finden ein Keller-Restaurant. Wir bestellen nach Bildern. Denn die Schrift und Zahlen sind für uns rätselhaft. Was das ganze kostet wissen wir erst beim zahlen. Zu unseren Speisen werden uns Getränke angeboten. Wasser, Softdrinks und Bier. BIER? Wir sind überrascht und baff – das ist doch verboten dachten wir? Es stellt sich raus: das was hier verkauft wird ist alkoholfreies Bier. So wie überall im Land.

Baff sind wir auch von der Schaufensterauslage der Klamottenläden. Enge, kurze Frauenkleidung wird hier verkauft. Dabei halten sich die Damen allesamt sorgfältig an die Kleidungsvorschriften in der Öffentlichkeit.

Wir besichtigen das Mausoleum. Unser erstes iranisches Bauwerk. Der Eintritt ist, wie überall im Land, relativ teuer für Touristen. Einheimische bezahlen deutlich weniger. Dafür ist das von innen und außen schmuckvoll verzierte Gebäude sehenswert! Leider dürfen wir keine Bilder davon machen.

Iran: ein Kieselstein-Backofen worin das leckerste iranische Brot gebacken wird
Ein Kieselstein-Backofen worin das leckerste iranische Brot gebacken wird

Und wir kaufen unser erstes iranisches Brot. Hier wird, im Gegensatz zu den meisten Bäckern in Deutschland, noch frisch gebacken. Brot wird quasi direkt aus dem Ofen in die Einkaufstüte verkauft und ist meist noch heiß. Es gibt verschiedene Brotsorten und die Bäcker scheinen unterschiedliche Rezepte zu verfolgen, mal mit Körner, mal Gewürze und mal pur. Besonders lecker ist das im Kieselofen gebackene Brot, aus dem man z.T. erst noch festgebackene Steinchen pulen muss.

Unsere Route führt uns nach Tabriz. Die Stadt hat einiges zu bieten wie beispielsweise einen der ältesten Basare des mittleren Ostens, der sogar UNESCO Status hat. Da es sehr kalt ist bleiben nur über Nacht in einem riesigen Park namens El-Goli (Koordinaten: 38.021753, 46.365027) in der Nähe der Autobahn. Abends erkunden wir noch trotz Kälte den Park. Die Temperaturen sind tagsüber um den Gefrierpunkt. Nachts frieren wir trotz dicker Kleidung und vielen Decken ganz schön. Morgens werden wir von einem pensionierten Lehrer abgefangen, der uns eine Tour durch die Stadt oder auch ins Umland aufquatschen möchte. Sehr freundlich, aber es ist uns einfach zu kalt – wir fahren lieber schnell weiter.

 

Hinkelsteinstadt Kandovan

Nächster Stop ist Kandovan (37.79428, 46.2486), das von manchen auch das Kappadokien des Iran genannt wird – was allerdings etwas übertrieben ist. Um dieses Dorf besichtigen zu können zahlt man schon vorab auf der Zufahrtsstraße Eintrittsgeld. Die hinkelsteinartigen Häuser, geformt durch Erosion aber auch menschliches Zutun, sind sehr lustig anzusehen. Von der Anhöhe auf der anderen Flussseite hat man einen schönen Blick.

Iran: Blick auf Kandovan
Blick auf Kandovan

Auch durch die Sträßchen um die kleinen Eingänge und Wohnungen streunen wir etwas, begleitet von einer kontaktfreudigen Katze. Die Waren werden hier noch ganz altmodisch aber stilvoll mit dem Esel die steilen Straßen hinauf befördert. Doch auch Kandovan ist uns zu kalt. Wir fahren weiter um den Urmia See zu sehen.

Iran: traditionelles Transportmittel durch die engen Gassen von Kandovan
Traditionelles Transportmittel durch die engen Gassen von Kandovan
Der Urmia See – eine bitterschöne Tragödie

Dieser riesige See ist der größte Irans. Noch bis vor wenigen Jahren war er sogar zehnmal größer als der Bodensee.  Leider gab es in den vergangenen Jahren eine sehr negative Entwicklung: der Wasserspiegel ist in den vergangenen Jahren immer weiter zurück gegangen, im Jahr 2017 war er sogar zum ersten mal so gut wie ohne Wasser. Zudem ist der Salzgehalt enorm angestiegen, mittlerweile beträgt er 30% und entspricht damit in etwa dem des Toten Meeres. Das hatte das Sterben viele Tiere zur Folge. Durch einen von der Regierung gestützten Plan versucht man nun den See zu retten.

Wir fahren über die Brücke und den Damm mitten über den See. Für uns bietet sich noch immer ein toller Blick auf den See. Wir hoffen er ist noch zu retten!

Iran: Urmia See
Der salzhaltige Urmia See

Westlich vom See befindet sich auch die gleichnamige Stadt. Hier kommen wir in einem „Guest House“ unter. Eigentlich handelt es sich um die Wohnung einer Familie, deren Sohn den Overlander-Tourismus für sich als Arbeitsgebiet entdeckt hat. Zum ersten Mal erfahren wir auch wie unglaublich hoch die Preise zum Übernachten im Iran sind. Für eine Nacht möchten Sie 50$ haben. Das ist uns allerdings viel zu viel. Immerhin möchten wir 3 Monate in diesem schönen Land bleiben. Wir einigen uns auf 20$, dafür schlafen wir in unserem eigenen Auto, das ist uns sowieso am liebsten. Wir erfahren auch zum ersten Mal, dass die Iraner echte Spätaufsteher sind. Und wir erleben zum ersten Mal das Leben auf dem Teppich (Tee trinken und Frühstücken).

Am nächsten Morgen begleitet uns der Vater noch mehrere Stunden durch die Stadt um eine iranische SIM-Karte zu organisieren. Was für ein freundlicher Mensch!

Iran: Urmia See
Gestrandetes Schiff auf dem versalzenen Urmia See

 

Geheimpolizei mit Hemd und Charme

Entlang des Urmia-Sees fahren wir nun endlich gen Süden. Dass der Iran so viel wunderbare Berg- und Hügellandschaft zu bieten hat war uns vorher gar nicht bewusst. Besonders die Gegend um Takht-e-Soleyman beeindruckt uns. Doch die Berge sind nicht nur schön anzusehen, sie bedeuten für uns auch weiterhin hohe Höhenlagen und kaltes Wetter. In den Parks und an unseren Übernachtungsplätzen sind wir meist allein. Eines Abends erreichen wir einen Park, der an einem Hügel gelegen ist. Gleich mehrere iranische Pärchen sind sehr hilfsbereit und kontaktfreudig. Wir dürfen vor dem Security-Haus stehen, dürften sogar darin schlafen. Doch wie immer bevorzugen wir unseren Bus. Nach einiger Zeit klopft es und die Polizei steht vor der Tür. Unsere Pässe werden kontrolliert jedoch scheinbar nur zum Vorwand. Denn gleich danach werden die Handys gezückt und es werden Selfies gemacht. Kaum eine halbe Stunde später klopft es erneut am Bus. Die Herren in ihren schicken Klamotten und mit ihrem seriösen Blick behaupten sie wären von der Polizei. Aber die waren doch eben schon da? „Secret Police“ sagen sie. Ok – wieder werden unsere Pässe kontrolliert und zwar diesmal ganz genau. Alles wird auf einem separaten Blatt notiert. Selfies gibt’s keine… dafür das hilfsbereite Angebot, wir können uns bei Problemen jederzeit an sie wenden.

Iran: Balu verliert sich in der Weite
Balu verliert sich in der Weite
Warme Quelle in eisiger Landschaft

Die Nacht ist kalt aber ruhig. Am nächsten Tag erreichen wir endlich Takht-e-Soleyman (Koordinaten: 36.604624, 47.234917), eine alte Feuertempel-Anlage mit Palast und Befestigungsanlage, der UNESCO-Status hat. Die Anlage liegt mitten in malerischer Landschaft und im Zentrum liegt ein warmer Quellsee mit einem Durchmesser von ca. 100m. Die ersten Siedlungsspuren dieser Gegend sind super alt, Bedeutung erlangte der Platz jedoch besonders im 6. Jahrhundert, als der Palast und Feuertempel gebaut wurden und die Anlage, deren Name „Thron des Salomon“ bedeutet, von Großkönigen genutzt wurde.

Heute sind vor allem Ruinen übrig, nur der Quellsee mit seinem Kalkrand hält sich wacker seit all der Zeit. Wir treffen hier auf Ahmad und Fateme. Die beiden laden uns auf Tee ein. Natürlich haben sie den Tee fertig in ihrem Picknickkorb dabei, so wie der gute Iraner das eben macht.

Iran: die Anlage von Takht-e Soleyman aus der Ferne
Die Anlage von Takht-e Soleyman aus der Ferne
Das Gefängnis Salomons  – beeindruckender Kalksinterkrater mit schöner Aussicht

Wir fahren gemeinsam weiter zum Krater Zendan-i Soleyman, der sich nur wenige Kilometer entfernt befindet (Koordinaten 36.614543, 47.201529). Dieser ist für uns das eigentliche Highlight der Region! Es handelt sich nicht um einen Vulkankrater, sondern einen Kalksinterkrater mit einer Tiefe von 100m und einem Durchmesser von 70m.

Iran: am Rande des Zendan-i Soleyman
Am Rande des Zendan-i Soleyman

Von der Straße aus können wir über einen gewundenen Pfad den Kraterrand erklimmen und direkt in den Krater blicken – der riesengroß und leer ist. Ein großes, klaffendes, tiefes Loch. Noch besser ist der Ausblick auf die umliegende Landschaft sowie die Anlage Takht-e Soleyman.  Man sagt, der Prophet Salomon wäre hier einige Zeit eingesperrt worden. Was für ein einsames, beängstigendes Gefängnis!

Iran: Mondaufgang über dem Krater Zendan-i Soleyman
Mondaufgang über dem Krater Zendan-i Soleyman
Iran: Blick vom Kraterrand
Blick vom Kraterrand
Iranische (Herzens-)Wärme

Außerdem zeigen Ahmed und Fateme uns noch ihren in der Nähe gelegenen Lieblingsplatz hier oben: ein kleines Blubber-Wasserloch. Von hier haben wir  zudem den schönsten Blick auf den aufgehenden Vollmond direkt hinterm Krater Zendan-i Soleyman. Wir verbringen einen gelungenen Abend in einem iranischen Restaurant und lassen den Abend in ihrer schönen traditionell eingerichteten Wohnung ausklingen. Scheinbar ist dieses junge Paar sehr traditionell – nicht einmal in den eigenen 4 Wänden nimmt Fateme ihr Kopftuch ab, wenn männlicher Besuch anwesend ist. Auch die Einrichtung scheint sehr traditionell iranisch zu sein: es gibt kaum Möbel, dafür aber sehr hochwertige und schmuckvolle Teppiche, auf denen sich alles abspielt. Wir dürfen die frostige Nacht in ihren gut geheizten Räumen verbringen – alles in allem eine wundervolle Bekanntschaft und schöne Erinnerung. Der Abschied fällt uns schwer, doch es warten weitere spannende Ort im Iran auf uns.

 

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