Iran

Yazd – eine Oase in der Wüste

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Yazd – eine der ältesten Städte Irans. Das Gefühl haben wir auch bei unseren Streifzügen durch die Gassen der Stadt.  Die Altstadt, übrigens auch UNESCO-geschützt, präsentiert sich noch immer im hellbraunen Gewand. Denn die Häuser sind allesamt mit der bewährten Lehm-Stroh Masse überzogen. Diese ist für das extreme Wüstenklima genau das richtige: im Sommer kühlend, im Winter isolierend. Da die Stadt zwischen zwei Wüsten liegt, war eine an die Bedingungen angepasste Bauweise notwendig. Insbesondere die Windtürme prägen das Stadtbild. Über das gezielte Öffnen und Schließen von dem Wind zugewandten und dem Wind abgewandten Seite kann die Innentemperatur der Gebäude der kühlen Nachttemperatur angenähert werden – eine umweltfreundliche und leise Klimananlage.

Iran: Blick über Yazd auf die Jame-Moschee
Blick über Yazd auf die Jame-Moschee

Zentraler als wir parken geht es fast nicht: dank der iOverlander App finden wir den versteckten Parkplatz mitten im Zentrum vor einem Hotel. Die steile und enge Zufahrt bringt uns beim Ein- und Ausfahren ins Schwitzen, aber der Platz vor dem Silk Road Hotel (Koordinaten: 31.9009, 54.3702) bietet uns die beste Ausgangslage um die Stadt zu erkunden. Wir stehen ganz nah an der Jame-Moschee, die wir auch als erstes besichtigen. Diese Freitagsmoschee hat ein besonderes architecktonisches Merkmal: sie hat Irans höchsten Portaliwan mit Doppelminarett! Da muss man den Kopf schon weit in den Nacken legen um hinauf zu schauen…

Iran: Yazd Jame Moschee
Jame Moschee in Yazd

Rund um die Jame-Moschee führen verzweigte Gassen und überdachte Kreuzungen durch die Altstadt, vorbei am Mausoleum Rokn od-Din, welches auch von unserem Parkplatz auch schön zu sehen ist, erreichen wir einen weiteren größeren Platz. Durch ein Teppichgeschäft erreichen wir die angepriesene Dachterrasse und sind geplättet von dem Ausblick. Dann ruft auch noch der Muezzin zum Gebet und schon fühlen wir uns in eine längst vergangene Zeit zurückversetzt. Selbst von oben präsentiert sich das Stadtbild urtümlich und  geschichtsträchtig. Lehmdächer und Windtürme, durchzogen von Minaretten prägen die Aussicht. Und gleich nebenan eine Mädchenschule, deren Pausenglocke soeben geläutet hat. Die Schülerinnen stehen in ihren Schuluniformen im Hof und winken uns fröhlich zu.

Iran: Yazd - Ausblick vom Silk Road Hotel Parkplatz bei Nacht
Ausblick vom Silk Road Hotel Parkplatz bei Nacht

Nach dem erquickenden Besuch der Dachterrasse setzen wir unsere Erkundungstour fort. Im Nord-Osten der Jame-Moschee findet sich auch das Alexander-Gefängnis, ein traditionell erbautes Herrenhaus, sowie weitere Mausoleen und Moscheen. Westlich der Jame-Moschee liegt der Basar, auf dem in Yazd viel Gold vertrieben wird. Auch ein Wasser-Museum ist hier zu finden und vor allem der imposante Amir-Chaqmaq-Arkadenbau. Dieser stammt aus dem 19. Jahrhundert, ist 65m breit, dreistöckig und wird von zwei Minaretten überragt. Bei früheren Passionsspielen diente er als Zuschauertribüne. Besonders im Spiel von Licht und Schatten oder auch bei Nacht ist dieser große Bau sehenswert.

Iran: Amir-Chaqmaq-Arkadenbau
Amir-Chaqmaq-Arkadenbau

Auf dem Platz davor steht eines der Nakhl-Holzgerüste. Jährlich wird das schwere Holzgestell zu einer Trauerzeremonie mit schwarzen Tüchern behangen und auf den Schultern der Trauernden herumgetragen. Diese triste Seite des im Iran praktizierten Islam behagt uns nicht. Gibt es doch mehr als eine Trauerzeremonie, mehr als ein Imam dem alljährlich umtrauert wird und in deprimierenden, tränenreichen Riten gedacht wird.  Doch ist Religion nun mal nicht immer nur ein Ponyhof, wie wir wissen – so verhält es sich nicht nur im Islam. Doch das braucht uns auch nicht weiter zu betrüben, sind wir doch glücklicherweise frei unsere Religion zu wählen, oder eben keine Religion auszuüben.

Iran: Gassen von Yazd
Gassen von Yazd

Markant sind auch die vielen Windtürme sowie Wasserspeicher in der Stadt. Die Türme in verschiedenen Höhen und Designs sowie Kuppeln ragen überall aus dem Boden. An vielen Stellen führen tiefe Schächte hinunter zu den Wasserstellen, an denen früher stets Wasser geholt werden konnte.

Iran: Wasserspeicher mit Windtürmen die kleine Ausführung
Wasserspeicher mit Windtürmen in kleiner Ausführung

Auf unserem Streifzug durch die Stadt treffen wir weitere Reisende. So ergibt es sich, dass wir mit Franzi, einer jungen deutschen Studentin, ein Taxi zu den stadtbekannten Schweigetürmen von Yazd teilen. Sie sind Bestandteil und Überbleibsel des zoroastrischen Glaubens. Bereits in Aserbaidschan hatten wir erste Berührungspunkte mit der Feueranbetung. Dort haben wir einen Feuertempel besucht. Davon gibt es auch im Iran, auch in Yazd noch einige. Die Schweigetürme außerhalb der Stadt sind Teil des Totenrituals der Zoroastrier. Am Fuße der zwei Hügel befinden sich einige Gebäude, die für die Aufbahrung von Toten sowie Trauerfeiern genutzt wurden. Die zwei Schweigetürme selbst liegen auf den beiden Hügeln.

Iran: bei den Schweigetürmen
Bei den Schweigetürmen

Erklimmt man sie findet man eine einfache, ummauerte Plattform mit einem großen Loch in der Mitte. Früher wurden die Toten einfach ausgesetzt und deren Überreste den Geiern überlassen. Die Knochen wurden in das Loch geworfen. Im nördlichen Turm fühlen wir uns schon halb in einem Grab, ist man auf dem Turm doch komplett von der Mauer umgeben und im Loch sehen wir Knochen… der Gruselfaktor am südlicheren Turm ist deutlich geringer. Hier ist die Mauer teilweise eingefallen und wir können die Aussicht über das Gelände sowie auf die entfernte Stadt bei einem Plausch genießen.

Iran: einer der beiden Schweigetürme vor Yazd
Blick von einem auf den zweiten Schweigeturm vor Yazd
Iran: what a fabulous world in Yazd
What a fabulous world in Yazd

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