Iran

Iran von seiner farbenprächtigsten Seite: natürliche vs. vom Menschen geschaffene Architektur

Iran_Beitragsbild_Farbenpracht

Salzdom // Shiraz // Persepolis

Salzdom Kuh-e Namak

Von Qeshm aus steuern wir entlang der Küste des Persischen Golfes Shiraz an. Unterwegs gibt es einen Salzdom, den unser Reiseführer als den „schönsten Salzdoms Irans“ tituliert. Mithilfe eines einheimischen Iraners finden wir die Abfahrt auf der Hauptstraße (Koordinaten: 28.218003, 51.616246), von hier sind es noch ein paar Kilometer bis zum Parkplatz (Koordinaten: 28.225069, 51.668294). Zunächst sind wir ganz allein und bleiben es auch für die ersten zwei Nächte, abgesehen von zwei vorbeiziehenden Wanderern. Wir sind von diesem Berg aus Salz überwältigt! Uns war nicht bewusst, dass so etwas überhaupt existiert.

Iran: Kuh-e Namak Salt Dome
Mitten im Kuh-e Namak Salzdom

Vor uns erhebt sich ein echter, hoher Berg, der vorwiegend aus farbigen, meist in Rottönen leuchtenden Salzschichten besteht, durchzogen von dünnen Gesteinsschichten. Durch Erosion haben sich fantastische Makrostrukturen geformt, auf der Oberfläche wurde zudem eine Mikrostruktur mit spitzen und z.T. messerscharfen Stücken gebildet. Weich ist es auch nicht, sondern steinhart. Darauf laufen ist damit easy, ausrutschen und sich irgendwo abstützen könnte jedoch eine blutige Angelegenheit werden. Richtige Wege gibt es nicht, das ist aber auch nicht nötig. Wir steigen querfeldein durch die Salzsäulen immer weiter den Berg hinauf und bewundern alle paar Meter die bunten Salzformationen. Dran können wir uns gar nicht sattsehen!

Iran: Kuh-e Namak Salt Dome Salzfluss
Die weißen Spuren des Salzflusses

Der seltene Regen hat auch Salzflüsse gebildet, die nun ausgetrocknet weiß leuchtend vor uns liegen und die wir problemlos durchqueren können. Nur folgen sollte man diesen Salzflüssen nicht, stellen wir fest. Denn an vielen Stellen hat sich das Wasser eng gewunden durch die Salzsäulen einen Weg gebahnt und teilweise Wasserfälle gebildet. Auch Höhlen hat der Salzfluss in den Salzberg gegraben. In zwei können wir reingehen. In einer erschreckt Fridolin eine Fledermaus, die ihm spontan aufs Gesicht zufliegt. Zum Glück gab es keinen näheren Kontakt – mit Tollwut ist ja nicht zu spaßen!

Iran: Kuh-e Namak Salt Dome
Die spitzen Salzkanten ragen messerscharf, aber wunderschön überall am Berg hervor

Am Donnerstag, also Wochenende, werden wir um 07:00 Uhr von den ersten Motorengeräuschen geweckt. Unglaublich! Da waren wir bisher komplett alleine, plötzlich tauchen zu früher Stunde Besucher auf, im Laufe des Vormittags werden es immer mehr und der Parkplatz ist gefüllt. Die meisten Besucher sind hier um eine große Salzhöhle zu bewundern, die sich in der Nähe des Parkplatzes befinden muss. Wir haben diese spezielle Höhle nicht besucht. Denn wir haben auch den zweiten Tag genutzt um weiter auf den Berg vorzudringen und die tolle Landschaft zu genießen, die wir in dieser Art nie zuvor gesehen haben.

Iran: Kuh-e Namak Salt Dome
Die bizarre Landschaft des Salzdomes

Kurz vor Sonnenuntergang sind wir wieder allein auf dem Parkplatz. Vermeintlich. Denn sobald es dunkel ist und wir vergeblich versucht haben ein Lagerfeuer zu entfachen, kommt erneut ein Auto. Zwei Iraner leisten uns Gesellschaft. Leider gestaltet sich die Kommunikation schwierig. Bald darauf kommt ein weiteres Auto. Dieser freundliche Iraner spricht super englisch und wir erfahren, dass seine Wandergruppe einen Ausflug macht. Kaum zu glauben: in kürzester Zeit verwandelt sich der verwaiste Parkplatz in eine Zeltstadt! Jede Menge Autos kommen, ganze Familien fangen an ihre Zelte aufzubauen. Der Wandergruppen-Vorstand lädt uns ein mit Ihnen zu essen. Ein Koch hat in einem großen Topf leckere Suppe für alle zubereitet, wir bekommen jede Menge zu essen und werden allen möglichen Leuten vorgestellt. Die Männer musizieren am Lagerfeuer, sogar Mega-Lautsprecher wurden mitgebracht um die richtige Party-Stimmung zu erzeugen. Die Älteren der Wandergruppe sitzen davon ungestört mit ihren Familien eher bei den Zelten. Die Jüngeren genießen ihr Wochenende in vollen Zügen. Als es spät ist verabschieden wir uns für die Nacht, die Party geht noch weiter. Kaum zu glauben daher, dass bereits um 06:30 Uhr die Lautsprecher mit schwungvoller Musik tönen um die Wandergruppe in den Tag zu geleiten! Unsere Zeit und unser Tempo sind das nicht! Als wir uns endlich aus dem Bett quälen ist die Truppe schon am Berg, kaum zu glauben! Wir hingegen ziehen weiter Richtung Shiraz.

 

Shiraz – „Garten des Iran“

Was für eine geschichtsträchtige Stadt, die bereits vor der Einwanderung der Perser existierte und gleich zwei der mächtigsten altpersischen Königshäuser beherbergte. In unmittelbarer Nähe zu Persepolis nahm die Stadt nach Zerstörung von Persepolis dessen Rolle als kulturelles Zentrums Persiens ein. Wir wollen sie in 2 Tagen erkunden und finden eine Bleibe auf dem großen Parkplatz des ITTIC Hotels (29.611499, 52.572074).

Die Sehenswürdigkeiten liegen auf einer guten Achse, so dass wir nach einer Taxifahrt ins Zentrum von Spot zu Spot laufen können. Angefangen bei der Kharim Khan Zitadelle. Deren Außenmauern jedoch bereits das Highlight sind, die Investition in ein Eintrittsticket hat sich nicht gelohnt. Dafür beeindruckt die mächtige Mauer umso mehr. Als nächstes besuchen wir das Mausoleum Imamzadeh Ali ebne Hamze. Wie bei Heiligtümern üblich dürfen Frauen ausschließlich mit Tschador eintreten, den man jedoch direkt am Eingang bekommen kann. Die Moschee liegt malerisch an einem kleinen Innenhof. Palmen und ein Brunnen schaffen eine angenehme Atmosphäre. Natürlich gibt es getrennte Eingänge und wir schauen uns, jeder in seinem eigenen Bereich, um. Das Innere des Heiligtums haut uns vom Hocker: der gesamte Innenbereich bis hin zur Kuppel ist mit schimmernden Spiegelmosaiken ausgeschmückt! Noch nie haben wir so ein geglitzer, leuchten und glänzen gesehen! Der Schrein steht in der Mitte, für Männer und Frauen zugänglich. Nachdem wir uns bereits etwas umgeschaut haben werden wir vom für Touristen zuständigen freiwilligen Mitarbeiter eingesammelt. Von ihm erhalten wir Tee, super leckeres Gebäck und eine Einführung in dieses sowie weitere Heiligtümer. Er zeigt uns erneut den Schrein und erklärt uns allerlei interessante Hintergründe über die Religion und Zusammenhänge, die uns bisher nicht bekannt waren. Der Besuch hat sich wirklich gelohnt!

Auch das Hafez-Mausoleum besuchen wir, das aber wirklich unspektakulär ist und für uns leider keinen Cent wert gewesen wäre. Es beschränkt sich auf einen Garten mit einem kleinen Pavillon unter dem der Sarg steht. Lediglich die kleine Kuppel ist ganz hübsch.

Umso aussichtsreicher ist der Besuch des Hügels vor den Toren der Stadt (oder besser neben dem Tor..). Gleich neben dem Koran-Tor, das bei unserem Besuch leider eingerüstet und abends nicht beleuchtet war, erhebt sich ein Hügel, von dem man einen guten Blick über die ganze Stadt hat. Hier haben wir den Abend ausklingen lassen, bevor wir uns ein Taxi zurück zum Bus genommen haben.

Taxi fahren in Isfahan kostet ca. 2,20€ pro Strecke. Neben dem Hotel hat sich ein alter Mann mit seinem winzigen Wagen-Geschäft positioniert. Aus dem Mini-Verkaufsstand verkauft er Falafel-Sandwiches, die nur Kleingeld kosten und ungemein lecker sind. Immer wenn wir vorbei kamen gab es noch einen Falafel auf die Hand für den kleinen Hunger! Und gleich gegenüber befindet sich die Bäckerei. Natürlich wird hier wie überall im Iran das Brot direkt aus dem Ofen verkauft. Damit die Bäcker, die im Hintergrund im Akkord arbeiten, am Geschehen teilhaben können gibt es einen Spiegel an der Seitenwand, durch den sie von der hinteren Backstube aus das Verkaufsfenster im Blick haben. Vor dem Bäcker herrscht Andrang, wir stellen uns artig an. Doch als die Bäcker uns entdecken rufen sie durch die Backstube, wir sollen doch mal rum kommen. Also einmal ums Haus, den Hintereingang gefunden und schwuppdiwupp stehen wir im Backraum. Die Bäcker hören nicht auf zu kneten und formen, haben aber trotzdem jede Menge Fragen und werden so gern fotografiert. Touristen sind hier, wie im ganzen Land, super gern gesehen. Natürlich bekommen wir zwei suuuuuperfrische Brote auf die Hand. Was für ein schönes Erlebnis!

Iran: typisches Brot
Leckerstes, auf Kieseln gebackenes Brot

Für die Besichtigung der schönsten Moschee Irans stehen wir extra früh auf. Um die Nasir-ol-Molk Moschee zu besichtigen solltest du möglichst früh dort ankommen und viel Zeit mitbringen. Warum? Nur morgens fällt das Licht besonders schön und weit durch die farbigen Türen in das Innere und das ist so beeindruckend, dass man gar nicht genug davon bekommen kann! Wir kommen gegen 09:00 Uhr an. Da ist das Licht immer noch perfekt, am schönsten soll es um 08:00 Uhr einfallen.  Von der Atmosphäre lassen wir uns vollständig einfangen.

Iran: In der Nasir-ol-Molk Moschee

Lange Zeit sitzen wir auf dem bunt getünchten Teppich und genießen das Farbenspiel. Zu dieser Zeit sind sehr viele Besucher anwesend, ein schönes Foto frei von anderen Menschen zu erhaschen gestaltet sich als schwierig. Nicht nur das bunte Licht, das uns das Gefühl vermittelt in einem Kaleidoskop zu sitzen, beeindruckt uns sehr. Auch die schönen Säulen im Raum sowie die schmuckvolle Verzierung der Wände und Decken mit den für diese Moschee typischen rosagefärbten Kacheln in verschiedenen Mustern und Motiven beeindrucken uns. Den Beinamen „Pinke Moschee“ hat sie auf jeden Fall verdient. Schon von außen und auch im Innenhof dominiert die pinke Farbe alle Muster. Diese Moschee ist DAS Highlight unseres Shiraz-Besuchs.

Iran: In der Nasir-ol-Molk Moschee

Iran: In der Nasir-ol-Molk Moschee

Nach diesem morgendlichen Erlebnis gibt es erst einmal einen Kaffee und wir spazieren durch den Stoff-Basar, auf dem es vor allem bunt leuchtende  Kleider zu kaufen gibt. Das Farbenspektakel will an diesem Tag gar kein Ende nehmen. Umso ernüchternder ist der Besuch der Vakil Moschee. Diese ist für Ihre Gebetshalle mit 48 spiralförmig dekorierten Steinsäulen bekannt. Die Dekoration der Säulenhalle ist dezent. Die große Moschee mit ihrem weitläufigen Innenhof und den großen Gebetshallen besticht durch Einfachheit und bescheidene, dafür gezielt eingesetzte Dekoration. Vermutlich hätten wir diese Moschee nicht gleich nach der Nasir-ol-Molk Moschee besichtigen sollen, um einen objektiveren Eindruck gewinnen zu können. So haben uns die ersten Highlights des Tages bereits überflutet.

Iran: Säulenhalle der Vakil Moschee
Säulenhalle der Vakil Moschee

Auf dem Platz vor der Moschee gönnen wir uns eine Pause. In einem gemütlichen Kaffee hocken wir uns in die Sonne. Ein Glückstreffer: die Tee- und Kaffeeauswahl ist ausgefallen und die Empfehlung der netten Kellnerin stellt sich als gute Wahl heraus. Die Getränke werden liebevoll angerichtet und dekoriert serviert und schmecken vorzüglich. Dazu der Sound eines Straßenmusikers – hier könnten wir ewig verweilen!

Iran: liebevoll angerichteter Tee wie man ihn überall im Iran bekommt
Liebevoll angerichteter Tee wie man ihn überall im Iran bekommt

Stattdessen ziehen wir nach einer ausgiebigen Pause weiter. In Shiraz befindet sich eines der drei heiligsten Heiligtümer der Schiiten im Iran: das Doppel-Mausoleum Shah-e Cheragh. Gleich am weitläufigen Eingang empfängt uns freudig der zuständige Mitarbeiter mit einer riesigen Schärpe mit der Aufschrift „Foreign Affairs“. Er spricht hervorragend Englisch und führt uns durch das große Gelände. Am Eingang bekomme ich einen Tschador und wir werden gründlich durchsucht, so wie alle Besucher. Die Kamera müssen wir zwar draußen lassen, mit den Handys dürfen wir jedoch alles fotografieren was wir wollen. Unser Begleiter weiß allerlei spannende Hintergründe zum Heiligtum, sowie dem Areal und der Historie zu erzählen. Nach gut einer Stunde haben wir fast alles gesehen. Auch wenn wir nicht in die beiden Mausoleen mit den Sarkophagen hinein gehen durften, wurde für uns die Tür geöffnet und der Vorhang gelupft, so dass wir dennoch das schillernde Innere mit dem schmuckvollen Sarg betrachten können.

Iran: Eines der zahlreichen Heiligtümer
Eines der zahlreichen Heiligtümer. (Dies ist nicht speziell das Heiligtum in Shiraz.)

Zu guter Letzt lassen wir den Tag in einer gemütlichen Gartenanlage ausklingen. Der Naranjestan-e Qavam Park (29.607947, 52.552555) ist nur eine kleine Anlage in der Stadt, vermittelt uns jedoch das Gefühl einer Auszeit. Einige Bäume und Grünstreifen schaffen ein angenehmes Flair, die umrundenden Mauern sind teilweise mit geschickt gemalten Meisterwerken verziert. Auch ein kleines palastartiges Gartenhaus mit zwei schmuckvoll verzierten Etagen prägt die Gartenanlage.

Iran: Shiraz Deko Iran: Shiraz Deko Iran: Shiraz Deko Iran: Shiraz Deko  Iran: Shiraz Deko

 

Presepolis… äh: Persepolis

Sagenumwobenes Persepolis. Die Meinungen von Fridolin und mir driften an diesem Ort weit auseinander. Ich bin absolut kein Fan dieses Ortes, besonders nachdem wir bereits in der Türkei so viele fantastische Ruinenstädte gesehen haben, kann ich diesem Platz keine Besonderheit abringen. Fridolin findet ihn nur schon aufgrund seiner Geschichte sehenswert, außerdem gefallen ihm die sehr gut erhaltenen Abbildungen über das Leben in Persepolis zur Zeit von König Xerxes und seinen Söhnen.

Iran: Persepolis

Persepolis ist eine altpersische Residenzstadt, deren Name „Stadt der Perser“ bedeutet. Sie war eine der Hauptstädte des Perserreichs und beherbergte auf einer Terrasse mehrere Paläste u.a. von Xerxes und Artaxerxes, bis sie von Alexander dem Großen zerstört wurde. Die Überreste in Form von Mauern, Säulen und Fresken können heute noch bewundert werden und stehen unter dem Schutz von UNESCO.

Iran: Persepolis

À propos UNESCO: gleich am Eingang noch unter der Terrasse befindet sich eine große Tafel, die stolz auf die UNESCO-Zugehörigkeit hinweist. Leider ist ihr Design ungünstig, da die transparente Tafel bei Sonnenschein (was im Iran häufiger vorkommt…) einen Schatten auf den darunterliegenden Stein wirft und das ganze quasi unlesbar wird. Vielleicht ist das aber auch gar nicht so schlecht, hat man doch versehentlich auf dieser wichtigen und einzigen UNESCO Tafel in großen Buchstaben „Presepolis“ geschrieben. Für mich passt diese Tafel damit zum Gesamteindruck von Presepolis, ähm Persepolis.

Iran: Persepolis

Unumstritten muss man jedoch sagen: dies ist ein sehr alter und für die persische Historie wichtiger Ort, dessen Besuch durchaus auf der Agenda eines Iran-Urlaubes stehen sollte, sofern du Gefallen an Geschichte und Ruinen findest.

Iran: Persepolis

Iran: Persepolis

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